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Referat :
„Erlebniswelt Rechtsextremismus –
Menschenverachtung mit Unterhaltungswert“
Zum Auftakt in die
Schützensaison 2010 lud der Bezirksverband
Nettesheim zu einem Informationsabend nach
Frixheim ein. Bezirks-Bundesmeister Wolfgang
Kuck und der stellv. Brudermeister der in
diesem Jahr gastgebenden St. Sebastianus
Bruderschaft Frixheim, Wilfried Müller, konnten
sich über eine gut besuchte Veranstaltung mit
über 50 Teilnehmern freuen.
Der Vorstand des
Bezirksverbandes wagte sich mit der Thematik
„Erlebniswelt Rechtsextremismus –
Menschenverachtung mit Unterhaltungswert“ an ein
hochinteressantes – zugleich auch brisantes -
Thema. Der Referent, Dr. Thomas Pfeiffer vom
Verfassungsschutz im Innenministerium NRW,
setzte seinem Vortrag die Aussage „Die Würde des
Menschen ist unantastbar“ als wichtigste
Grundlage voran. Anhand von Beispielen
demonstrierte er, dass mit „Spaß“ als
strategischem Instrument rechtsextremistische
Gruppierungen ihre Zielgruppe - junge Leute -
zu erreichen versuchten und darauf setzten, dass
ein Schneeballefekt für die Verbreitung des
Gedankenguts sorge. Zielgruppen werden mit
medialen Botschaften wie Musik, Video-Clips,
Comics u.ä. Medien von rechtsextremistischen
Gruppen gelockt. Hier werde mit besonders
verfänglichen Werbebotschaften die
Erwartungshaltung aufgebaut, Mitglied einer
festen Gemeinschaft werden zu können. Dass die
Hoffnung, in einer solchen Gemeinschaft Halt zu
finden, als Irrglaube endet, als brutale Kluft
zwischen Kameradschaft und Freundschaft, das
würde dem Einzelnen zu spät bewusst. Als
„Zwangsgemeinschaft“, in der „der Einzelne ein
Nichts“ sei, beschreibt der Aussteiger Stefan
Michael Bar die Neonazi-Szene in seiner
Autobiografie. Der Weg in eine solche
vermeintliche Gemeinschaft hinein sei leicht,
der Weg hinaus oft ungemein schwer. Die Umwelt
muss hier Augen und Ohren offen halten, um
menschenverachtende Tendenzen zu erkennen und
ihnen vorzubeugen. Daher gilt als Fazit des
Referats :
a)
Die „Erlebniswelt
Rechtextremismus“ bestimmt die Attraktivität
dieser Szene auf Jugendliche.
b)
Tarnungstendenzen
nehmen zu. Rechtextremismus ist nicht immer auf
Anhieb erkennbar.
c)
Enttarnung und
Entlarvung sind daher wichtig: Was ist das
Versprechen und was ist wirkliche Kameradschaft
?
d)
Gelebte Demokratie
ist das wichtigste Mittel zur Vorbeugung gegen
Rechtsextremismus.
Eine äußerst
lebhafte Diskussion und viele Fragen aus den
Reihen der Schützen bestätigten, dass das Thema
Rechtsextremismus nicht einer „verstaubten
Schublade“ entnommen ist. Der Referent nahm sich
dankenswerterweise viel Zeit, Rede und Antwort
zu stehen.
Die Schützen nahmen
eine wichtige Schlussfolgerung für ihr
Vereinsleben mit: die Bruderschaften bzw. die
Vereine im Allgemeinen bieten die Chance, eine
wirkliche lebendige demokratische Gemeinschaft
vorzuleben und den Einzelnen erleben zu lassen,
dass „seine Würde unantastbar“ ist.
Bundesmeister
Wolfgang Kuck dankte Dr. Thomas Pfeiffer
ausdrücklich für das hervorragende Referat. Die
Resonanz zeige - immerhin beschäftigte man sich
an diesem Abend über 3 Stunden mit dieser
Thematik - dass man sich einig sei: Wer dieses
Referat und die Möglichkeit, sich vor Ort zu
informieren, nicht wahrgenommen hat, hat
wirklich ein Informationsdefizit. Man muss auch
über die Ortsgrenzen hinaus schauen und man kann
nicht einfach davon ausgehen, dass es
Rechtsextremismus bei uns nicht gibt. Gerade als
Schützen stehen wir in der Pflicht, solche
Strömungen erkennen zu lernen und ihnen
entgegenzuwirken.
gez. C. Kuck-Goergen |